Mehrgenerationenprojekt Malvenhof
Leben in der Gemeinschaft
Auf dem Malvenhof leben zwei Generationen unter einem Dach.
Bei uns in Storbeck leben die Kinder und Jugendlichen in bestmöglicher Alternative zu ihrem Elternhaus. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf dem Einsatz tiergestützter Interventionen und einer weiteren Besonderheit: im Haus leben zwei Senior*innen.
Es heißt, es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Familien, wie sie im eigentlichen Sinne „funktionieren“, haben es in unserer Zeit immer schwerer. Mehrere Generationen unter einem Dach vereint sind die absolute Ausnahme. Kindern und Jugendlichen fehlt oftmals der Kontakt zur übernächsten Generation, die ein wichtiger Erfahrungsgeber, Wertevermittler oder einfach nur die Oma und der Opa sind, die nicht mit einem „Erziehungsauftrag unterwegs“ sind und mit ihrer großen Lebenserfahrung eine gutes Stück Gelassenheit einbringen.
Auf der einen Seite gibt es viele Senioren, die unter Einsamkeit leiden – auf der anderen Seite gibt es Kinder, die kein Zuhause haben, in dem sie sicher und gut leben können und damit auf die Leistungen der Jugendhilfe angewiesen sind.
Die Idee des Malvenhofes ist, diesen beiden Gruppen ein gemeinsames Zuhause zu bieten und ihnen darüber hinaus die Möglichkeit zu geben, mit Tieren auf dem Land zu leben. Damit wird Generationenwohnen und ein tiergestütztes Angebot miteinander verbunden.
Der Schwerpunkt des Angebots liegt auf der tiergestützten Pädagogik mit den auf dem Hof lebenden Tieren. Darunter sind Kleinpferde und Kaltblutpferde.
Der Generationenhof – gemeinsam wohnen für Jugendliche und Senioren
Unterschiedliche Lebenswege, Talente und berufliche oder kulturelle Hintergründe der Senior/innen sind ein wertvoller Erfahrungsschatz, der den Jugendlichen zugutekommt. Die Kinder und Jugendlichen haben mit den Senioren eine weitere Möglichkeit mit Erwachsenen in Kontakt zu treten und sich Rat und Expertisen einzuholen. Auf der anderen Seite können die Senioren von den Jugendlichen aus ihrer Lebenswelt lernen und sich in die Begleitung des Erwachsenwerdens aktiv einbringen.
In einem Generationenhaus ist niemand alleine, außer er möchte gerade seine Ruhe. Jede/r kann Aufgaben übernehmen, die der Gemeinschaft zugutekommen und im Alltag wichtig sind. Es entsteht keine Alterseinsamkeit oder das Gefühl, im Alter nicht mehr gebraucht zu werden. Die Senioren können sich nach eigenen Wünschen einbringen und Kontakt zu den Jugendlichen aufnehmen. Idealerweise entstehen so wertvolle Lernerfahrungen, Bindungen und Freundschaften. Der Umzug in ein Senioren- oder Pflegeheim ist oftmals mit vielen Ängsten verbunden, das eigene Zuhause muss aufgegeben werden, das Haustier kann nicht mit ins Heim.
Unser Ziel ist, dass der Malvenhof ein Zuhause für die Senior/innen wird, in dem sie sich wohlfühlen können und weiterhin das Gefühl haben, gebraucht und geschätzt zu werden. Ebenso können die jungen Menschen aus der Jugendhilfe von den Senioren lernen und erhalten weitere Bezugspersonen.
Generationenhäuser besitzen nicht zuletzt auch eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung, da sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt und Dialog, das Verstehen von individuell und altersabhängig wahrgenommenen Lebenswirklichkeiten zwischen Generationen stärken und zu einem attraktiven Wohn- und Lebensumfeld für alle Menschen beitragen.
Da im Malvenhof Jugendliche und Senioren gemeinsam wohnen können, profitieren alle von den jeweiligen Erfahrungen und Kompetenzen der anderen Generationen. Für die jungen Menschen ist ein stabiles und familiäres Umfeld förderlich, das die Senioren zusätzlich zum bestehenden sozialpädagogischen Team des Hofes bieten.
Gerade die Senioren können hier, über die pädagogische Begleitung hinaus, den Jugendlichen ein im wahrsten Sinne des Wortes familienähnliches Wohnen ermöglichen. Jugendliche und Kinder, die keine intakte Familienstruktur haben oder vielleicht keine eigenen Großeltern mehr, haben die Möglichkeit, Erlebnisse mit einer anderen Generation zu sammeln. So entstehen wertvolle Beziehungserfahrungen, die die jungen Menschen in einer Einrichtung ohne Senioren in der Form nicht machen könnten.
Die Jugendlichen profitieren hier von den verschiedensten Erfahrungen, Herkünften, vielleicht auch den unterschiedlichen Kulturen der Seniorinnen in wichtigen Lebensbereichen.
Wir sehen hier ein großes Potential an gegenseitigen Unterstützungsmöglichkeiten. Die Jugendlichen werden motiviert, mit den Seniorinnen zu interagieren, die Natur zu erleben, auch mal weg von digitalen Medien und dem Smartphone. Zusätzlich profitieren die Senioren von den Jugendlichen im Umgang mit den neuen Medien und lernen Neues kennen.
Die Senioren haben die Möglichkeit, aktiv zu bleiben und fühlen sich eingebunden und gebraucht. Bindungen zu den Kindern und Jugendlichen können entstehen und werden durch das pädagogische Team des Hofes professionell begleitet und gefördert. Eventuell auftretende Konflikte werden mithilfe des professionellen Teams konstruktiv gelöst.
Insgesamt ist der Malvenhof ein Zuhause, das Menschen verbindet und familiäre Geborgenheit vermittelt.
Da hab ich Lust drauf - Angebote und Aktivitäten
• Tiere
Der Schwerpunkt des Angebots liegt auf der tiergestützten Pädagogik mit den auf dem Hof lebenden Tieren. Darunter sind Kleinpferde und Kaltblutpferde. Alle tiergestützten Aktivitäten werden mit tierärztlicher Betreuung und stets im Tandem mit einer pädagogischen Fachkraft durchgeführt. Weitere tiergestützte Angebote wie z.B. das Halten von Hühnern oder anderen Tieren können zukünftig unter Beteiligung der jungen Menschen entwickelt werden.
• Kochen
Am Tisch zusammenkommen und gemeinsam essen – das kennen viele Seniorinnen noch aus der Vergangenheit, viele Kinder und Jugendliche erfahren das ganz neu. Auf dem Malvenhof besteht die Möglichkeit gemeinsam zu kochen. Die Kinder und Jugendlichen können sich z.B. bei der Speiseplanerstellung beteiligen und auch Aufgaben beim Kochen übernehmen.
• Werkstatt
Der Malvenhof besitzt im Nebengebäude eine eigene Werkstatt, in der verschiedene Angebote möglich sind. Darüber hinaus ist zukünftig eine Töpferwerkstatt geplant, in der regelmäßige Kurse stattfinden könnten. Eine weitere Nutzungsmöglichkeit der Werkstatt wäre ein Repair-Café, in dem Alltagsgegenstände gemeinsam mit dem Hausmeister und einer pädagogischen Fachkraft repariert werden könnten.
• Gemeinsame Nachmittage
In regelmäßig stattfindenden Nachmittagen, an denen alle teilnehmen können, wird der Austausch durch Aktivitäten wie Basteln, Stricken, Lesen oder ein Gesellschaftsspiel gefördert.
• Eigener Garten
Eigene Obstbäume und ein Gemüsegarten werden zusätzlich für die Lebensmittelzubereitung genutzt und gemeinsam gepflegt. Ziel ist, den Hof möglichst nachhaltig und regional zu versorgen. So kann beispielsweise auch eine größere Streuobstwiese angelegt werden, zusätzlich kann der Garten ins pädagogische Konzept eingebunden werden.
• Treffen der Dorfgemeinschaft
Das Generationenhaus wird in die Dorfgemeinschaft eingebunden und bietet regelmäßig z.B. gemeinsame Töpferkurse in der Werkstatt für alle an. Wir streben einen offenen und integrativen Umgang mit der Dorfgemeinschaft an. Ziel ist, das gute Kontakte zwischen den Senioren, wie auch den Kindern und Jugendlichen im Dorf und auf dem Malvenhof entstehen, im besten Falle ein freundschaftliches Beisammensein.
• Feiern von gemeinsamen Festen
Zu Weihnachten, Ostern und weiteren Festen feiern die jungen Menschen gemeinsam mit den Senioren, die Dorfgemeinschaft kann dazu ebenfalls eingeladen werden. Unser Wunsch ist, dass der Malvenhof gut in das Dorf integriert ist und sich dort auch die Einwohner für Feste und Kurse (z.B. Töpfern, Gärtnern, Malen) willkommen fühlen.
Weitere Angebote je nach Bedarf können sein:
• Musische Angebote
• Barfußpfad draußen im Garten
• Theater (Kooperation mit umliegenden Vereinen)
• Alte Handwerkskunst erlernen (Korbflechten, Wolle spinnen)
• Wandern im Umland
• Malkurse
• Handarbeiten: Stricken, Sticken, Nähen
• Vorträge zu interessanten Themen (gemeinsame Abstimmung)